Triosence im Kulturwerk Wissen

Der Konzertabend im November 2010 mit Triosence darf wohl zu den Ausnahmekonzerten im Kulturwerk in Wissen gezählt werden. Einige der gut 200 Besucher wollten sich „das einfach nur mal anhören“ und verließen das Kulturwerk als Jazzfreunde. Das hatte mal eben der „junge deutsche Jazz“ von Triosence bewirkt.

Triosence das sind Pianist und Bandleader Bernhard Schüler, Stephan Emig, Schlagzeug und Perkussion, sowie Ingo Senst am Kontrabass. Sie begannen den Reigen ihrer Kompositionen mit „My Best Friend“. Dennoch der überwiegende Teil des Konzerts bestand aus Stücken von ihrer neuen CD „Where Time Stands Still“. Hierzu hatte Bernhard Schüler das Trio um die amerikanische Jazzsängerin Sara Gazarek und den Gitarristen Vitaliy Zolotov erweitert, was sich als gelungene Bereicherung erwies. Sämtliche Stücke stammen aus der Feder des Bandleaders, der auch die Texte dazu schrieb. Allerdings den letzten Schliff habe Sara verschiedenen Texten gegeben, erzählte Bernhard Schüler. Mit ihrer klaren und doch eigenwilligen Stimme gab Sara Gazarek den Titeln das gewisse Etwas. Sie tendieren zwar leicht in Richtung Pop, jedoch dominiert unverkennbar der Jazzeinfluss. Atemberaubend die Fingerarbeit des Gitarristen Vitaliy Zolotov in den Chorusteilen, die ihm genügend Raum für Improvisationen ließen. Das große Klangspektrum erreicht die Band auch dadurch, dass neben dem Piano, Bass und Schlagzeug gleichberechtigt sind und führende Parts bei verschiedenen Stücken übernehmen. Die Melodien zeichnen sich durch ihre bestechende Klarheit aus, was nicht heißt, dass der Freiraum für Improvisationen genommen wird. In jedem Stück finden sich kleine raffinierte Feinheiten, ein Taktwechsel oder interessante Akkordfolgen, die aber das normale sterbliche Ohr jedoch nicht als Missklang empfindet. Die rhythmische Würze gibt das einzigartige und filigrane Spiel von Schlagzeuger Stephan Emig. Fein abgestimmt kombiniert er das Schlagzeugspiel mit eingebauten Perkussionspassagen. Gelungen ist die Kombination von Reggae und Swing bei „I Can’t Explain“ — Rhythmen, die eigentlich nicht zusammenpassen. Als Bonbon waren zwei Titel im Programm eingebaut, die es noch auf keiner CD zu hören gab. Ein gelungenes Konzert geht auch einmal zu Ende, aber nicht ohne Zugaben. So sang Sara Gazarek der Zeit entsprechend „When Christmas comes Around und den Song „Where Time Stands Still“ von der gleichnamigen CD.

Das Konzert war am 5. November 2010 im Kulturwerk in Wissen

 

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Paul Eberhard Nilius, Jahrgang 1950, ist gelernter Schriftsetzer und seit einigen Jahren als Journalist und Fotograf tätig. Seine Leidenschaft ist die Musik.