Ein Esel und ein Jägerzaun

Fastowend 1978. Ein prächtiger Fastowendszuch zog wieder durch die Straßen von Wissen. Die Prinzengarde hatte viel Mühe darauf verwendet, aus Pappmaschee einen überdimensionalen Esel zu modellieren, der auf ihrem Prinzengardewagen montiert worden war. Nach dem Zuch wurde der Wagen, samt Aufbau, in die Halle eines damals in Wissen ansässigen Tiefbauunternehmens gebracht.

Der Fastowendswagen der Prinzengarde im Jahr 1978 mit dem Esel, der später noch eine andere Rolle spielt.

Wie in vielen anderen Städten und Ortschaften waren die Parkplätze auch in Wissen nicht in ausreichender Zahl vorhanden. So wurde ein Grundstück, gegenüber einer Gastwirtschaft,  mitten in Wissen schon seit einiger Zeit als Parkplatz genutzt. Dies war dem Besitzer ein Dorn im Auge und so umgab er das Grundstück mit einem Jägerzaun. Angesichts des chronischen Parkplatzmangels kunde dat net enfach su hinjenommen wern. Wer och emmer do de Fenger met em Spill hadde, jedenfalls hing dann relativ schnell en Schild an derm Zong met der Oufschreft „Dilldappenschutzgebiet“.

Wie das so der Brauch an Aschermittwoch ist, wird de Fastowendskerl am fröhen Owend beerdischt. Her wird met Bezin üwergossen, anjefangen un en de Sech jeworfen. Awer et wor net dat enzije wat sech am Äschermettwochowend en Wessen abspillen dät. Wie ous heiterm Himmel stond opp enmol enn grußer Essel auf derm enjezäunden Groundstück, wo jez en Jäjerzong drömeröm es. Bei genauerem hinsehen, war es der Esel, der als Aufbau auf dem Fastowendswagen der Prinzengarde gestanden hatte.

Nach Recherchen des karnevalistischen Geheimdienstes muss es wohl so gewesen sein, dass der Esel vom Fastowendswagen abgebaut worden war, auf einen Radlader verladen und von Geisterhand auf dem Dilldappenschutzgebiet abgeladen und aufgestellt worden ist. Hinter vorgehaltener Hand wurde erzählt, es wären bei der ganzen Aktion Personen der Prinzengarde met em Spill jewärst. „Su wat kann ejendlich net senn, dat wär ous doch em Troum net enjefallen un me woren doch bi der Beerdigung“, der Kommentar dazu aus den Reihen der Prinzengarde. Awer de Hand dät me dofür och net en et Feuer halen, denn in der damaligen Prinzengarde gab es fast für alles „Spezialisten“. Kein Problem war es denn auch aus den Reihen der Garde, einen Radlader zu fahren, wofür man selbstverständlich auch den amtlichen Führerschein hatte.

Einige Zeit stand der Esel schon an besagtem Standort. Eines Tages, wie von Geisterhand, verschwand der Esel, ebenso wie er auch dahingekommen war, wieder von dem Grundstück. Gleichfalls verschwand wenig später aber auch der Jägerzaun.
Letztendlich hatten die Fastowendsgeister dazu beigetragen, dass das Grundstück wieder ohne Jägerzaun ist und nun wie vorher als Parkplatz genutzt werden kann, auch heute noch.


RANDNOTIZ
Auf dem Areal,  Rathausstraße/Ecke Auf der Rahm, auf dem sich das beschriebene Geschehen zugetragen hat, stand ein Gebäude, in dem bis zum Jahr 1937 das Katasteramt in Wissen sein Domizil hatte. Damals hieß die heutige Rathausstraße zur Kaiserzeit und einige Jahre danach Kaiserallee, ab der Zeit des Nationalsozialismus erhielt sie den Namen des Machthabers.
Die Zustänigkeit dieses Amtes umfasste die Bürgermeistereien Hamm, Wissen und Friesenhagen sowie die Gemeinden Gebhardshain, Fensdorf, Hommelsberg, Rosenheim (damals noch Kotzenroth), Nauroth, Steinebach und Steineberg. Nach dem Weggang des Katasteramtes 1937 wurde das Haus bis zur Zerstörung im Krieg von der schräg gegenüberliegenden Wissener Amtsverwaltung für dienstliche Zwecke mitbenutzt. Nach dem Krieg ist auf diesem Platz kein neues Gebäude errichtet worden und wird weiterhin als Parkplatz genutzt.

ANMERKUNG
Der Esel ist das Wappentier der Wissener Karnevalsgesellschaft. Wie es dazu kam, kann in dem Beitrag „Wie der Esel zum Wappentier der Wissener Karnevalsgesellschaft wurde“ auf dieser Internetseite nachgelesen werden.
Die Zeichnung des Esels stammt aus der Feder von Walter Weitz. Erschienen ist die Zeichnung erstmals in einem Beitrag im „Der Dilldappen-Kurier“, der zum Jubiläum 25 Jahre Prinzengarde im Jahr 1981 von der Prinzengarde herausgegeben worden war.

 

 

Über PEN 65 Artikel
Paul Eberhard Nilius, Jahrgang 1950, ist gelernter Schriftsetzer und seit einigen Jahren als Journalist und Fotograf tätig. Seine Leidenschaft ist die Musik.